Die Geschichte unserer Kirche

Links: Johannes Hus / Mitte: Die Verbrennung des Johannes Hus 1415 / Rechts: Amos Comenius; Bilder: Archiv der Brüder Unität

Von den Wurzeln bis heute

Die Herrnhuter Brüdergemeine ist eine kleine, ökumenisch ausgerichtete, evangelische Freikirche. Wir haben etwa 5290 Mitglieder in Deutschland und 1.210.000 weltweit.

Die Evangelische Brüdergemeine ist eine Freikirche, die ihre Wurzeln in der böhmischen Reformation am Anfang des 15. Jahrhunderts hat. Der tschechische Reformator Johannes Hus wurde wegen seiner Ideen 1415 während des Konzils zu Konstanz auf dem Scheiterhaufen verbrannt. In Böhmen und Mähren schlossen sich 1457 einige Schwestern und Brüder zur Brüder-Unität zusammen, die nach den evangelischen Reformforderungen und der Bergpredigt Jesu leben wollten. Es wurde eine Bibelübersetzung in der Landessprache angefertigt (Kralitzer Bibel), ein Katechismus und ein Gesangbuch entstanden, um die Mündigkeit der Glaubenden zu stärken.

Über zwei Jahrhunderte war diese alte Brüderkirche (Unitas-Fratrum) ständigen Verfolgungen ausgesetzt. Johann Amos Comenius oder tschechisch - Jan Amos Komenský (1592-1670) war der letzte Bischof des böhmischen Zweigs der Unität. Bis heute ist er vor allem als Pädagoge bekannt, war er doch mit seinen pädagogischen und didaktischen Ideen seiner Zeit weit voraus. Doch gleichzeitig war er auch Bischof der Brüder-Unität, Verfasser zahlreicher theologischer Schriften und friedensethischer Vordenker.

Die Kralitzer Bibel
Bild: Archiv der Brüder Unität

Nach den langandauernden Glaubenskämpfen in Europa wurde sie im Westfälischen Frieden 1648 allerdings nicht anerkannt. Die Schwestern und Brüder waren der Verfolgung ausgesetzt und konnten ihren Glauben nicht offen leben. Einige von ihnen fanden 1722 Asyl bei dem Grafen Nikolaus Ludwig von Zinzendorf in der Nähe von Görlitz. Auf seinem Landbesitz gründeten sie den Ort Herrnhut, da sie sich hier geborgen unter der Hut des Herrn fühlten.

Mit dem Aufbau Herrnhuts in der Oberlausitz erfuhr der kleine Rest dieser Kirche eine Erneuerung, die zur Gründung der erneuerten Brüder-Unität, der Evangelischen Brüdergemeine, führte. Aus dieser anfangs kleinen christlichen Gemeinschaft wurde nach und nach eine selbständige, weltweite Kirche.

Graf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf
Bild: Archiv der Brüder Unität

Es entstand ein reges Gemeinschaftsleben, zu dem sich viele evangelische Gläubige der unterschiedlichsten Richtungen hingezogen fühlten. Zinzendorf brachte sich immer mehr in die Gestaltung des Ortes ein. Maßgeblich war er daran beteiligt, die Streitigkeiten unter den doch recht unterschiedlichen Meinungen, wie der Glaube zu leben sei, zu versöhnen. Verbindend war für sie alle, an Jesu Christus zu glauben. Viele Lieder entstanden. Sie gaben dem Glauben Ausdruck, dass wir befreite und frohe Menschen sein können. Zinzendorf gab 1728 der Gemeinde ein Losungswort in den Tag mit, fortan wurde dies zum täglichen Ritual. Daraus entstand das bis heute in aller Welt verbreitete Losungsbuch.

"Kein Christentum ohne Gemeinschaft" ist ein wichtiger Satz Zinzendorfs für das Gemeindeleben, d.h. einander zu tragen und zu begleiten im Leben und im Glauben, aber auch miteinander das gemeindliche Leben zu gestalten.

Das sogenannte 'Erstlingsbild' von Johann Valentin Haidt (1748 gemalt) zeigt die ersten verstorbenen Christen aus den Missionsgebieten der Brüdergemeine.
Bild: Archiv der Brüder Unität

Diese Lebens- und Dienstgemeinschaft strahlte rasch in alle Welt aus. Schon 1732 zogen auf Bitten des schwarzen Kammerdieners Anton die ersten Missionare nach West-Indien (Karibik). Sie gründeten ihre erster Missionsstation, Neu-Herrnhut, auf der damals zu Dänemark gehörenden Insel Saint Thomas. Heute ist aus diesen Anfängen eine kleine, weltweite Kirche geworden, die Evangelische Brüder-Unität (Unitas Fratrum, Moravian Church, Iglesia Moravia). Sie umfasst in 29 Provinzen (Anmerkung: Eine Provinz ist eine selbständige Teilkirche der weltweiten Brüder-Unität) Christen aus vielen Völkern und Sprachen in Südafrika und Tansania, auf dem amerikanischen Kontinent von Alaska über weitere US-Bundesstaaten bis Südamerika (u.a. Surinan, Nicaragua), in Palästina, Nord-Indien und Europa.

Die für das 18. Jahrhundert ungewöhnliche Missionstätigkeit brachte es mit sich, dass die Brüder-Unität eine von dem damaligen Staatskirchentum unabhängige Freikirche wurde mit eigener Verfassung, Synode und Kirchenleitung. Sie entwickelte jedoch kein eigenes dogmatisches Lehrsystem. Jesus Christus ist alleiniger Herr und Haupt, Grundlage und Ziel der Gemeine, die sich um das Wort Gottes sammelt.

Beim Abendmahlsgottesdienst in Bethesda 2010
Bild: Leo Mayatepek

Im Laufe der Entstehungsgeschichte unserer Kirche haben sich besondere eigene gottesdienstliche Formen herausgebildet. So gibt es neben den Gottesdiensten, die wir Predigtversammlungen nennen, die Singstunde, eine Art Liedgottesdienst, eine besondere Form, das Abendmahl zu feiern und Beerdigungen zu begehen, liturgisch schlichte Formen, die Adventszeit, die Karwoche und Ostern zu feiern.

Neben dem Gemeindeleben sind uns als Kirche die diakonische Aufgaben in unserem Krankenhaus in Niesky, den Altenheimen und Kindergärten und erzieherische Aufgaben in mehreren Schulen ein Anliegen. Einen bedeutenden Stellenwert hat für uns die "Missionarische Kirche“, die Herrnhuter Missionshilfe (HMH).

Zu unserer Kirche gehören auch einige kirchliche Wirtschaftsbetriebe, die Herrnhuter Sterne GmbH, eine christliche Buchhandlung, eine Forstverwaltung und die Abraham Dürninger & Co GmbH.

Schwestern unter sich in Bubesi (Südafrika 2015)
Bild: Benigna Grüneberg

Viele unserer Gemeindeglieder sind auch in der Landeskirche aktive Mitglieder, als sogenannte ‚Doppelmitglieder‘. Das heißt, ein Herrnhuter kann gleichzeitig auch in der Landeskirche Mitglied sein. Mit der Gemeinschaft und der Spiritualität in unserer Herrnhuter Gemeinde wollen wir Stärkung und Impulse weitergeben.

Eine Kirche – viele Namen
Die Europäisch Festländische Brüder Unität ist unter verschiedenen Namen bekannt. In Deutschland heißt sie wie wir auch "Herrnhuter Brüdergemeine", nach dem Entstehungsort Herrnhut, oder "Evangelische Brüdergemeine". In englisch-sprachigen Ländern sind wir bekannt als "Moravian Church".

Brüdergemeine – und wo bleiben die Schwestern?
Der Name ist alt und möchte an die Wurzeln unserer Kirche in der alten Brüder-Unität in Böhmen und Mähren erinnern. Bei uns leben und arbeiten Frauen und Männer, Schwestern und Brüder, so nennen wir uns gegenseitig, Seite an Seite. Den Schwestern stehen in der Europäisch-Festländischen Brüderunität (EFBU) auch alle geistlichen Ämter offen.

 

Schwestern in Düsseldorf-Garath (Sommerfest 2016)
Bild: Björn Geller

Wir laden Sie ein, uns kennen zu lernen!